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Franziska Ritter

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Anwaltsbüro oder Gericht?
Als ich im Jahr 1986 meine erste Festanstellung am Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Landschaft angetreten hatte, hätte ich nie im Traum daran gedacht, einmal in der chemischen Industrie zu landen. Ich gebe zu, meine schlechteste Maturnote hatte ich in Chemie, und eine Anstellung in einem Grossunternehmen entsprach damals nicht den Wunschvorstellungen meines zukünftigen Berufes. Nach meinem Anwaltsexamen stellte sich die Frage: Anwaltsbüro oder Gericht? Ich habe mich für die Stelle als Gerichtsschreiberin entschieden. Hier konnte ich meine juristischen Fähigkeiten vollumfänglich einbringen. Ich hatte Urteile zu begründen und durfte meine Meinung auch im Gremium der Richter einbringen. Dabei erkannte ich bald, dass mich die Aspekte der Kommunikation, sei es in den Beratungen des Gerichts oder in berufsbegleitenden Arbeitsgruppen, ebenso wie die juristische Analyse interessierten.

Vom Recht zur Kommunikation
Nach ein paar Jahren kam der Wunsch nach Veränderung und ein Inserat der Ciba erregte meine Aufmerksamkeit, in welchem eine Juristin oder ein Jurist im Bereich des öffentlichen Rechts gesucht wurde. Ich hatte Lust auf Neues, und die Vorstellung, für ein internationales Unternehmen zu arbeiten packte mich. So wagte ich im Jahr 1992 nach einem Sprachaufenthalt in Russland den Sprung aus dem Staatsbetrieb in die Privatindustrie.

Franziska RitterDoch statt die im Inserat erwähnten öffentlichrechtlichen Rechtsprobleme zu lösen, habe ich in Tat und Wahrheit in erster Linie den damals noch zentralen Einkauf, die Ingenieurdienste und die Schweizer Werke juristisch betreut. Das war Neuland und auch der Alltag im Grosskonzern brachte neue Regeln: Einstempeln am Morgen und keine Kaffeepause um 10 Uhr, dafür endlich Juristinnen als Kolleginnen und internationale Kontakte. Die Tatsache, dass die Firma offensichtlich Vertrauen in mich hatte, gab mir Mumm und, einmal ins kalte Wasser geworfen, machte das Schwimmen unheimlich Spass. Schnell entwickelte sich mein Job in Richtung einer Beratungstätigkeit, die weit über juristische Aspekte hinausging.

Ich konnte mir durch persönliche Kontakte einen 4-monatigen Aufenthalt in der Europäischen Kommission in Brüssel organisieren, wo ich für die Umweltabteilung der Industriedirektion arbeitete. Damit eröffneten sich neue Perspektiven, und ich begann mich immer mehr für das in der Ciba noch brachliegende Feld des Umweltrechts zu interessieren.

Als dann im Jahr 1997 die Ciba Spezialitätenchemie gegründet wurde, wechselte ich von der klassischen Rechtsberatung in die Umweltabteilung. Dort faszinierten mich neben dem neuen Rechtsgebiet Umwelt vor allem Aufgaben, welche des trouble shootings bedurften. Unversehens war ich dabei, mich langsam in eine neue Rolle zu bewegen. Und als wir dann zusammen mit anderen chemischen Unternehmungen das brisante Thema der Altlastensanierung an einem konkreten Beispiel zu lösen hatten, zeigte sich, dass mein Einsatz vorab in der Optimierung des Zusammenspiels mit den Politikern, Behörden und Medien gefragt war. Und so entschied ich, ganz aus der Rechtsberatung auszusteigen und offerierte der Ciba meinen Einsatz als Issues Managerin. Während eines Jahres arbeitete ich zu je 50 % für die Kommunikation und die Umweltabteilung. Dies verschaffte mir einen guten Einblick in die Kommunikationsabläufe. Bald wurde aber klar, dass diese Doppelrolle den Bedürfnissen der Firma nicht gerecht werden konnte.

Von der Anwältin zur Managerin
Im Jahr 2001 wurde deshalb im Bereich Umwelt die Abteilung Product Safety & Issues Management gegründet, deren Leitung ich übernommen habe. Dahinter versteckte sich eine ganze Reihe von Aufgaben. Es galt, Segmente und Werke bei akuten Problemen zu unterstützen, zum Beispiel nach einem Zwischenfall in einer Produktionsstätte, welche eine schnelle und koordinierte Kommunikation zuerst intern und dann nach aussen nötig machte. Eine der grossen Herausforderungen in dieser Funktion war  aber die Umsetzung eines nicht nur reaktiven sondern präventiven Issues Managements in allen Segmenten zur Unterstützung einer langfristig erfolgreichen Geschäftsstrategie unserer Firma. Unter dem Titel 'Product Stewardship' etablierten wir einen Prozess, der den Segmenten dabei hilft,  dass unsere Produkte mittel- und langfristig sicher und erfolgreich sind.

In meiner seit 2005 übernommenen Rolle als Head Enterprise Risk Management arbeite funktionsübergreifend mit einem kleinen Team und bin für die Erstellung und Umsetzung eines klaren und einfachen Konzeptes verantwortlich, welches ermöglicht die grössten mit der Gesamtheit der Unternehmensaktivitäten verbundenen Risiken zu erfassen. Dies soll zu einem rollenden Kontrollprozess führen, der das Risikopotential mittels der daraus abgeleiteten Massnahmen auf Dauer vermindert.

Zwar arbeite ich seit längerem nicht mehr als Juristin, bin aber den Prinzipien meines herkömmlichen Berufes  treu geblieben. Sie befähigen mich, in einem stark von der Naturwissenschaft geprägten Umfeld klare und schnelle Problemanalysen zu machen und diese verständlich zu kommunizieren, auch ohne Chemikerin zu sein. Auch habe ich mir als Präsidentin der Steuerrekurskommission der Stadt Basel eine juristische Herausforderung erhalten, die mir grosse Freude bereitet.

Hin und wieder mache ich eine Standortbestimmung und prüfe, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Und komme zum Schluss, dass Zufriedenheit nicht darin besteht, das Leben zu verändern, sondern Veränderungen im Leben aufrecht zu erhalten. Ciba hat mir immer wieder die Möglichkeit dazu gegeben. Ich hoffe, dass mir auch die nächsten Jahre weiterhin neue Perspektiven eröffnen und freue mich darauf.

    

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